Donnerstag, 31. Januar 2008

Hannover am 09. Februar 2008 - Aus Protest wird Widerstand

Datum: 09.02.2008
Ort: Hannover, Medizin. Hochschule, 10-17 Uhr Medizin, Hörsaal A
Thema: 3. Ärztetag der Basis, die freie Arztpraxis im Würgegriff von Politik und Gesundheitsindustrie
Beschreibung:
Die Freie Praxis im Zeitalter der Gesundheitswirtschaft, Knebel für Vertragsärzte im GKV-KV-System, Regressbedingte Existenzbedrohung freier Praxen, Systemausstieg, Verträge, Patienteneinbindung in den Protest, E-Health, Gesundheitskarte.
Das genaue Programm finden Sie auf unten angegebener Homepage.

Kontakt Name: Hans-Peter Meuser
Kontakt Tel.: 02173/99490
Kontakt E-Mail: meuserdoc@compuserve.de
Kontakt Website: http://www.aerztetag-der-basis.de




Aus Protest wird Widerstand

3. Ärztetag der Basis, Samstag, 9. Februar 2008


Die freie Arztpraxis im Würgegriff von
Politik und Gesundheitsindustrie

10.00 – 17.00 Uhr, Med. Hochschule Hannover,
Hörsaaal A, Carl-Neuberg-Straße

Moderation: Hans-Peter Meuser, Wieland Dietrich

10.00 s.t. Begrüßung (Hans-Peter Meuser, 1. Vizepräsident der Freien Ärzteschaft e.V.)

Vormittagssitzung

10.05 Einführungsvortrag (Martin Grauduszus, Präsident der Freien Ärzteschaft e.V.)
- Die Freie Praxis im Zeitalter der Gesundheitswirtschaft.
- Geld verdienen Andere.
- Protestbewegung: Was haben wir erreicht? Wo geht es hin?
- Berlin-Essener Resolution – Wer engagiert sich dafür ?

10.25 Knebel für Vertragsärzte im GKV-KV-System (Hans-Peter Meuser)
- Das Ende des KV-Systems (aus der Noweski-Studie)
- EBM 2008: Lex MVZ, die Honorarlüge der KBV
- Die Honorarlüge der KVen (am Beispiel der KVNO)

10.45 Arzneimittel-„Regresse“ in Niedersachsen
- Die Situation in Niedersachsen (Rainer Woltmann, Ärztegenossenschaft NW)
- Aus der Praxis: Regressbetroffene (Konrad Sch.- Grabenschröer)

11.05 Diskussion

11.30 Systemausstieg der Bayerischen Hausärzte
(Wolfgang Hoppenthaller, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes)
- Das Korbmodell der Bayerischen Hausärzte, Ziele und aktueller Stand

11.50 Verträge zwischen Verbänden und Krankenkassen – Fluch oder Segen?
(Ekkehard Rübsam-Simon, 2. Vorsitzender MEDI Baden-Württemberg)
- Der AOK-Vertrag in Baden-Württemberg mit MEDI und dem Hausärzteverband

12.10 Diskussion

12.30 Mittagspause

Nachmittagssitzung

13.30 Die Lage der Patienten in Praxis und Klinik
(Renate Hartwig, www.patient-informiert-sich.de)

13.45 Wie überleben Fachärzte? MVZ? Verträge? Körbe?
(Bärbel Grashoff, 2. Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztegenossenschaften)

14.00 Eine Stiftung macht Politik (Silke Lüder, Freie Ärzteschaft, RG Hamburg)
- Wie mit E-Health das Gesundheitswesen verändert werden soll
- Bündnis „Stoppt die Karte“

14.20 Patienten gegen die Gesundheitskarte (Gabi Thiess, Selbsthilfegruppe Fibromyalgie)
- Aufruf an die Öffentlichkeit: Keine Fotos – Keine Schnüffelkarte

14.30 Ärzte und Patienten gemeinsam: Entscheidungsrechte des Patienten
(Wolfram Candidus, Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten)

14.45 Pause

15.00 Diskussion mit dem Podium
Der Kampf um die Freiheit für Arzt und Patient im Gesundheitswesen, gegen Gesundheitswirtschaft und Bevormundung

16.00 Ärzte im Protestjahr 2008 (Martin Grauduszus)
- Wir Ärzte sprechen mit einer Stimme: Praxisschließungen, Streik, Großdemo
- Freie Arztwahl, Anspruch des Arztes auf angemessene Vergütung seiner Leistungen, Anspruch des Patienten auf angemessene Bezahlung seines Arztes.

16.15 Resolution
- Kehrtwende in Politik und Gesetzgebung: Die Freiheit wagen
- Bekräftigung und Einfordern der Berlin-Essener Resolution

16.30 Freie Diskussion, Ende 17.00

Zur Einstimmung und zur allgemeinen Information: www.es-ist-unrecht.de
www.freie-aerzteschaft.de
www.facharzt.de

(Stand: 23.1.2008, kleinere Änderungen noch möglich)

Die Tagungskosten betragen 30 Euro. Das beinhaltet ein Mittagessen und finanziert die Kosten für Saalmiete, Technik, Organisation usw.
Überweisung zeitgleich mit der Anmeldung an Freie Ärzteschaft auf Kto. 0206088260 bei BLZ 30060601 (Apobank Düsseldorf).

Druckversion des Programms als PDF.

Hilfestellungen zur Anreise und ggf. Unterkunft finden Sie im Reise-Center.

Anmeldung online.

Alternativ Anmeldeformular zum Faxen herunterladen.


Am Freitag, dem 08.02.2008 findet für die bereits Angereisten im Restaurant des Hotel Mercure am Medical Park, Hannover, Feodor-Lynen-Str. 1, ab 20 Uhr ein berufspolitischer Stammtisch statt, separate Anmeldung erforderlich. Das Hotel liegt direkt nördlich der Medizinischen Hochschule.

Mittwoch, 30. Januar 2008

30. Januar 2008 Nürnberg - 8000 Hausärzte bei Korbveranstaltung

BHÄV: Dieser Tag geht in die Geschichte der GKV ein – mehr als 8.000 Hausärzte bei Korbveranstaltung in Nürnberg




Geben sie alle ihre Zulassung zurück, steht das KV-System vor einem riesigen Problem: Rund 8.000 Hausärzte verwandelten die Arena Nürnberg heute in einen Hexenkessel. Die Ränge des Stadions waren dicht besetzt, zum Gefangenenchor aus der Oper Nabucco schritten die Vorstandsmitglieder des Bayerischen Hausärzteverbandes (BHÄV) zum Rednerpult – von donnerndem Applaus begleitet. „Damit beweist die bayerische Hausärzteschaft, dass sie nicht mehr gewillt ist, sich von den Krankenkassen und der Politik unterdrücken zu lassen“, begrüßte ein sichtlich gerührter Dr. Wolfgang Hoppenthaller die Kollegen.
Sein Stellvertreter, Dr. Wolfgang Krombholz, zeigte sich sicher: „Dieser Tag geht in die Geschichte der gesetzlichen Krankenversicherung ein.“ Die Hausärzte seien nun bereit, die Fesseln der Krankenkassen und der KVen abzulegen und sich für einen fairen Wettbewerb im System einzusetzen, der die Hausärzte nicht länger zur „Verhandlungsmasse der Krankenkassen“ degradiere.

Harsche Kritik übte Kromholz unter lautem Applaus an der Hausarztfraktion der KV Bayerns und deren Rundschreiben: „Die sind in ihren Schreiben auf die persönliche Angriffsebene übergegangen“, monierte der BHÄV-Vize. Diesen Kollegen sei offenbar nicht bewusst, dass sie eben nicht die Mehrheit der Kollegen auf ihrer Seite hätten. „Wie erhalten Solidaritätsaussagen von vielen Verbänden – besonders auch von den Fachärzten“, berichtete Krombholz. Bezogen auf den Systemausstieg betonte er, dass „ungewöhnliche Umstände auch ungewöhnliche Maßnahmen“ erforderten.

„Warum treffen sich so viele Menschen aus einer an sich doch so friedfertigen Berufsgruppe der Ärzte hier in dieser Halle, um Ihre Kassenzulassung zurückzugeben?“, fragte die stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztegenossenschaften und Vorstandsmitglied von MEDI Baden-Württemberg, Dr. Bärbel Grashoff, in ihrem Grußwort – und gab gleich darauf die Antwort: „Nur durch unsere überdurchschnittliche Bereitschaft zur Selbstausbeutung und unsere absolut unterdurchschnittlichen Forderungen wurde die politische Misswirtschaft bisher vertuscht. Und zur Belohnung werden wir regelmäßig abgewatscht.“ Das gehe so nicht mehr.

Als letztmögliche Reaktion bleibe den Ärzten nur, das sinkende Schiff zu verlassen. „Sie alle gehen heute einen ersten Schritt in einen freien Beruf und dazu beglückwünsche ich Sie. Erhalten Sie sich Ihr Selbstbewusstsein und Ihren Kampfgeist und seien Sie bereit zu zivilem Ungehorsam“, sagte Grashoff. Die Hausärzte in Bayern seien bereit, konsequent den richtigen Schritt zu gehen. „Andere werden Ihnen folgen – da bin ich sicher“, rief Grashoff, was mit heftigem Beifall aus den Zuhörerrängen quittiert wurde.

Der Vorsitzende der Freien Ärzteschaft, Martin Grauduszus, zeigte sich beeindruckt „von dem Mut und der Entschlossenheit der bayerischen Kollgen“. Den Hausärzten sei bewusst, dass Freiheit kein Selbstzweck sei, sondern unabdingbare Voraussetzung für eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung. Grauduszus sprach auch den Systemausstieg der Kieferorthopäden an. Da seien zwar rund 30 Ärzte „juristisch fertig“ gemacht worden. „Mit 8.000 Hausärzten macht man das aber nicht“, rief der FÄ-Präsident unter donnerndem Applaus. Nach einigen Tagen ohne Hausärzten breche die Versorgung zusammen.

Es müsse ein direktes und geschütztes Vertrauens- und Vertragsverhältnis zwischen Arzt und Patienten geben. Es stelle sich daher nicht die Frage, ob es sich ein Arzt erlauben könne, das System zu verlassen. „Kann er es sich erlauben, noch im System zu bleiben – das ist die Frage“, sagte Grauduszus uns appellierte an die bayerischen Hausärzte: „Retten Sie die freie Praxis!“

Patientenvertreterin Renate Hartwig dankte in ihrer Rede allen Patienten, die hinter den Hausärzten stehen und sich nicht von Zeitungsberichten hätten beeinflussen lassen. „Sie haben den Numerus clausus in wehrhafter Demokratie erreicht“, lobte Hartwig auch die anwesenden Mediziner. Den Doktorhut überreiche sie im Namen aller Patienten denjenigen „die nachher ihre Zulassung in den Korb geben“, betonte die Initiatorin der Aktion „Hausärzte in Not“. Es sei für die Ärzte an der Zeit, sich „aus diesem verlogenen und korrumpierten System zu verabschieden“. Die Politik werde die Unzufriedenheit auch bei der nächsten Landtagswahl spüren.

Die Patienten bräuchten künftig Hausärzte und keine Care-Manager. „Wir brauchen vor allem den freien Arzt und keinen Befehlsempfänger.“ Auch müsse die freie Arztwahl für die Patienten erhalten werden. „Dies gelingt nur, wenn Sie sich aus dem System verabschieden“, appellierte Hartwig. Bei Politikern und Funktionären drehe sich derzeit nur noch alles um die Angst, den eigenen Sessel zu verlieren. Auch der KV gehe es nur um den Machterhalt. Hartwig kam zu dem Schluss, dass die gegenwärtige Situation im KV-System nicht mit „demokratischen Grundsätzen vereinbar“ sei. Mit einem „herzlichen Dank für Ihre Zivilcourage“, verabschiedete sich die Patientenvertreterin vom Rednerpult.

Schließlich setzte Verbandschef Hoppenthaller zu seiner mit Spannung erwarteten Rede an. „Dieser Tag ist eine logische Konsequenz nach den erfolglosen Protesttagen und den frustrierenden Gesprächen mit den Politikern“, resümierte der BHÄV-Vorsitzende. Die „Politik des Weghörens“ müsse nun endlich aufhören. Seit Jahren hätten die Hausärzte den Frust hinuntergeschluckt und die Faust nur in der Tasche geballt. „Nun werden wir nicht mehr still sein.“

Die Kollegen müssten nun „für die Würde unseres Berufs und eine patientennahe hausärztliche Versorgung“ einstehen und entsprechend handeln. „In diesem System haben wir keine Chance mehr“, betonte Hoppenthaller. Die KV schmiede derzeit eine Allianz mit den Kassen und der Politik gegen die Hausärzte. „Wie korrupt muss ein System sein, wenn die Kliniker und Fachärzte aufgerufen werden, den Hausärzten in den Rücken zu fallen“, fragte er und betonte: „Her Munte, Ihr System wollen wir nicht mehr.“ Die Hausärzte als Zwangsmitglieder der KV finanzierten nur noch ihre eigene Unterdrückung und Ausbeutung.


Derzeit gebe es einen Pseudo-Wettbewerb zwischen den Krankenkassen um gute Risiken. „In diesem System schießt sich jede Kasse ins Aus, die ins ambulante System investiert – allein das zeigt, wie pervers und marode das System ist.“ Darüber hinaus litten die Kollegen stark unter den Regressen. Zehn Prozent der betroffenen Ärzten hätten in einer Umfrage sogar von Selbstmordgedanken berichtet. „Dieses System macht nicht nur die Ärzte krank – sondern auch die Patienten. Kranke Ärzte sind schließlich keine guten Ärzte.“

Die Hausärzte müssten bei permanent sinkenden Honoraren den Sicherstellungsauftrag Tag für Tag sichern. „Das ist Ausbeutung unserer Arbeitskraft und unseres Privatvermögens.“ Die Rechte der Ärzte und Patienten würden mit Füßen getreten. „Wir sind geknebelt, gefesselt und mit Sozialgerichtsurteilen bestraft, die uns keine Luft mehr zum Atmen lassen.“ Mit demokratischen Grundsätzen habe das nichts mehr zu tun. „Das ist Staatsdiktatur und Machtmissbrauch der Kassen.“ Das System habe eindeutig totalitäre Züge.

Hoppenthaller geißelte auch die „Amerikanisierung“ des Gesundheitswesens. Kapitalgesellschaften drängten auf den Milliardenmarkt Gesundheit. Call-Center würden genutzt, um die Patienten zu konzerneigenen MVZ und Kliniken zu lenken. „Wir haben wohl keinen Platz mehr in diesen Zukunftsplänen. Wir würden nur stören, weil wir unseren Patienten abraten würden.“ Deshalb seien die Hausärzte in diesem System prinzipiell nicht mehr erwünscht. „Da man uns nicht exekutieren kann, hungert man uns aus“, fasste Hoppenthaller seine Meinung zusammen.

In Bezug auf die Rechtslage nach einem Ausstieg betonte Hoppenthaller: „Wenn wir jetzt unserer Zulassung zurückgeben, betreten wir nach 75 Jahren Kollektivvertragsrecht Neuland. Auch sind die Gesetzespassagen über die Folgen sehr unscharf formuliert. „Wenn man fünf Juristen fragt, bekommt man sechs verschiedene Meinungen.“ Die Panikmache der Kasse sei daher unverständlich. Zwar sei vorgesehen, dass ausgestiegene Ärzte keine Verträge mit den Kassen abschließen dürften – der Hausärzteverband könne dies jedoch tun. „Die Kassen werden ankommen und um Verhandlungen bitten“, zeigte sich der BHÄV-Chef überzeugt. Auch die Regierung werde es nicht zulassen, dass die Versorgung zusammenbreche. „Die Patienten benötigen keine 220 Krankenkassen – aber sie benötigen uns Hausärzte.“

Hoppenthaller appellierte: „Sie müssen das Systemversagen herstellen. Sie können die normative Kraft des Faktischen herstellen.“ Wenn die Kassen die Rechnungen der ausgestiegenen Ärzte nicht bezahlten, „werden wir uns hier wieder treffen, um Gegenmaßnahmen zu besprechen.“ Vielleicht könnten die Kollegen dann gemeinsam „in den Urlaub gehen“, führte der Hausarzt aus. Wenn das nun nicht funktioniere, hätten die Hausärzte für lange Zeit verloren. „Wir müssen uns aus dieser Diktatur befreien und endlich Freiberufler werden“, schloss er seine Ansprache – und erhielt minutenlangen Applaus.

Der Bayerische Hausärzteverband stellte nach den Reden Urnen auf und informierte abschließend über die rechtlichen Bedingungen bei der Abgabe der Verzichtserklärung – und auch über eine aktuelle Mitteilung der APO-Bank: Diese hatte im Vorfeld in einem Schreiben an den Verband erläutert, dass sie „bei einem Systemausstieg keinen Grund“ sehe, laufende Kredite von Ärzten zu kündigen. Zahlreiche Ärzte gingen schließlich zu den Urnen. Über das genaue Ergebnis wird änd in einigen Tagen berichten.

Sportliche laufen dem Tod länger davon

Sportliche laufen dem Tod länger davon


B. Schumacher


Ein schlechtes Abschneiden beim Belastungstest ist prognostisch ungünstig. Für Gesunde ebenso wie für Herzkranke sagt ein solches Ergebnis ein erhöhtes Sterberisiko voraus. Das belegt eine der bisher größten Studien, die diesen Zusammenhang untersucht hat: 15 660 Männer im Alter von knapp 60 Jahren, ohne und mit kardiovaskulärer Erkrankung, hatten dafür einen Belastungstest auf dem Laufband absolviert und waren danach über einen Zeitraum von 7,5 Jahren beobachtet worden.

Im Vergleich zur Gruppe mit der geringsten Belastungskapazität (< 5 MET, MET für metabolische Äquivalente) war in der Gruppe mit der höchsten Fitness die Sterblichkeit um 70% geringer. Sogar Männer mit nur mäßiger Fitness (7,1-10 MET) hatten eine um 50% geringere Sterblichkeit als die am wenigsten Trainierten. „Schon mit einer geringen Investition bekommt man sehr viel heraus", kommentierte der Erstautor der Studie das Ergebnis. Es zahle sich bereits aus, wenn man jeden Tag 30 Minuten zu Fuß gehe – und das solle doch möglich sein: „Wenn wir auf dem Mond herumspazieren können, werden wir wohl auch auf der Erde laufen können."

Quelle der Originalpublikation: Kokkinos P et al.: Exercise capacity and mortality in black and white men. Circulation 2008, online

Fatale Fehldiagnose "COPD-Exazerbation"

MMW, 29.01.2008

Fatale Fehldiagnose "COPD-Exazerbation"
Klagt ein Patient mit COPD über eine plötzliche Zunahme der Dyspnoe, denkt man zunächst an eine Exazerbation. Häufig eine Fehldiagnose, wie Studienergebnisse zeigen.


Plötzliche Atemnot bei COPD: Hier war die Ursache eine multiple Lungenembolie / Fotoquelle: H. S. Füeßl
Bei 148 COPD-Patienten, die wegen vermeintlicher schwer-
gradiger Exazerbation inten-
sivmedizinisch überwacht wurden, fand sich nach einer sorgfältigen klinischen und echokardiografischen Untersuchung in 31% eine akute Linksherzinsuffizienz, in weiteren 14% der Fälle wurde eine zusätzliche kardiale Ursache diskutiert.

In einer anderen Studie fand sich bei 43 von 197 Patienten mit vermuteter Exazerbation einer COPD eine Lungenem-
bolie als Ursache der plötz-
lichen Atemnot. Risikofakto-
ren waren vorausgegangene thromboembolische Ereig-
nisse, eine maligne Grunder-
krankung und ein pCO2-Abfall von mindestens 5 mmHg.

"Diese Studien belegen, dass bei COPD-Patienten eine relativ häufige Komorbidität mit Linksherzinsuffizienz und Lungenembolie besteht", so PD Dr. Martin Kohlhäufl, Gerlingen. Um die eigentliche Ursache der "Exazerbation" nicht zu übersehen, sollte bei allen COPD-Patienten mit plötzlicher Zunahme der Dyspnoe eine kardiologische Diagnostik inklusive EKG und Farbdopplerecho erfolgen.

Autor: Dr. med. Peter Stiefelhagen

Quelle: Internisten-Update, Wiesbaden, 23.–24. November 2007 (Veranstalter: Med Update)

Dienstag, 29. Januar 2008

Sport hält jung - Chromosomenuntersuchung

29.01.2008 - Gesundheit

Länger jung mit Sport


Bewegung bremst Alterung der Zellen


Körperliche Aktivität hält nicht nur das Herz-Kreislauf-System und den Bewegungsapparat gesund, es bremst auch die Alterung der Zellen. Das haben britische Wissenschaftler bei Untersuchungen an rund 2.400 Zwillingen entdeckt. Bei sportlich aktiven Versuchsteilnehmern hatte die Länge der Chromosomen-Enden mit dem Alter im Vergleich zu inaktiven Probanden deutlich weniger abgenommen, fanden die Forscher um Lynn Cherkas vom King's College in London heraus. Die Länge dieser sogenannten Telomere gilt als wichtiger Maßstab für die Alterung von Zellen.

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In ihre Untersuchung bezogen die Wissenschaftler rund 900 zweieiige, rund 180 eineiige Zwillingspaare und etwa 240 Zwillinge ein, bei denen sie nur einen der beiden Geschwisterteile untersuchen konnten. Die Forscher fragten die Probanden nach dem Lebensstil, der Art und Häufigkeit körperlicher Aktivität, den Rauchgewohnheiten und bestehenden oder früheren Krankheiten. Zudem gewannen sie bei jedem Freiwilligen aus einer Blutprobe weiße Blutkörperchen, extrahierten deren DNA und bestimmten die Länge der Telomere.

Diese fadenartigen Strukturen am Ende jedes Erbgutsmoleküls werden mit jeder Verdoppelung der DNA bei der Zellteilung etwas kürzer. Unterschreiten sie eine kritische Länge, geht genetische Information verloren und die Zelle kann ihre Aufgabe nicht mehr voll erfüllen. Die Länge der Telomere gilt daher als wichtiger Indikator, wie weit die Alterung bei einem Organismus bereits fortgeschritten ist.

Dieser Prozess lässt sich durch körperliche Aktivität bremsen, fanden die Forscher in ihrer Auswertung heraus: Körperlich besonders aktive Probanden wiesen im Vergleich zu nahezu unaktiven Studienteilnehmern eine Telomerlänge auf, die einem Altersunterschied von etwa zehn Jahren entspricht, ergaben die Messungen. Weitere Faktoren wie Rauchen oder Übergewicht hatten die Wissenschaftler dabei schon herausgerechnet.

Wie körperliche Aktivität den Alterungsprozess in der Zelle genau beeinflusst, wissen die Forscher jedoch noch nicht. Sport und Bewegung hemmen Entzündungsreaktionen und helfen dabei, oxidativen Stress in den Zellen abzubauen, was sich auch positiv auf die Telomerlänge auswirken könnte, führen die Wissenschaftler als mögliche Erklärung an.


Lynn Cherkas (King's College, London): Archives of Internal Medicine, Band 168, S. 154

ddp/wissenschaft.de – Ulrich Dewald

Montag, 28. Januar 2008

Kooperation Westerwälder Ärztenetze begrüßt die Neuwieder Mitglieder des Medizinischen Qualitätsnetzes Ärztering Neuwied e.V.

Kooperation Westerwälder Ärztenetze e.V.
Vorsitzender Dr. med. S. Scholl
Weiherstr. 1, 56593 Horhausen, Tel.: 02687 / 2022
Fax: 02687 / 742, Email: Dr.S.Scholl@gmx.de
www.ww-aerztenetze.de


Liebe Kolleginnen und Kollegen,


Mit Beschluss der Vollversammlung Ihres Ärztenetzes vom 16.01.2008, ist der Ärztering Neuwied nun unserer Dachorganisation, der Kooperation Westerwälder Ärztenetze, beigetreten.
Wir freuen uns sehr, Sie als Mitglied des MQ Ärztering Neuwied, nun auch als Mitglied in der Kooperation Westerwälder Ärztenetze e.V. begrüßen zu dürfen.
MEDIS Westerwald GmbH & CoKG, die Servicegesellschaft der Kooperation Westerwälder Ärztenetze, ist nun in Der Lage, Ihnen viele exklusive Angebote zu unterbreiten.

Anliegenden übersenden wir Ihnen das Konzept der MEDIS Westerwald GmbH & CoKG. Enthalten sind Informationen zu den Angeboten und Projekten. Diese Angebote können alle Mitglieder der Kooperation wahrnehmen, zu denen auch Sie jetzt gehören. Selbstverständlich ist es auch möglich, aber keine Voraussetzung, Gesellschafter von MEDIS Westerwald GmbH & CoKG zu werden.

Bitte verwenden Sie anliegendes Fax-Rückmeldeformular und kreuzen Sie dort die Angebote und Projekte an, an denen Sie teilnehmen wollen.

Für Rückfragen und weitere Informationen stehen wir Ihnen auch jederzeit telefonisch zur Verfügung.
Detaillierte Informationen finden Sie auch auf unseren Internetseiten:
www.medis-westerwald.de und www.ww-aerztenetze.de

Dieses Schreiben incl.den Anhängen wird Ihnen, und allen Kollegen des Ärzteringes Neuwied, auch postalisch zugestellt werden.

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen, Ihre Ideen und konstruktiven Beiträge.

Mit den besten Grüßen

Dr. S. Scholl
Vorstandsvorsitzender Kooperation Westerwälder Ärztenetze e.V.

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Kooperation Westerwälder Ärztenetze e.V.
Vorstandsvorsitzender Dr. med. S. Scholl
Weiherstr. 1, 56593 Horhausen
Tel: 0700/20001100,
Fax: 012120/68859
Email: Dr.S.Scholl@ww-aerztenetze.de
Web: www.ww-aerztenetze.de

Mittwoch, 23. Januar 2008

Was wird die AOK von uns Ärzten in speziellen Verträgen fordern

Was die AOK von Ärzten fordert (Bayern aktuell)

Die AOK macht ihren Partnern in der Ausschreibung unter anderem folgende Vorgaben:

1. Nutzung einer online-fähigen EDV (ab Windows 2000) und Anbindung über ISDN oder DSL zur Steuerung von Abrechnungs-, Verordnungs- und Informationsprozessen.
2. Elektronische Abrechnung der Leistungen gegenüber der AOK.
3. Führen einer elektronischen Patientenakte.
4. Aktive Umsetzung von DMP.
5. Unterstützung von Verträgen der AOK Baden-Württemberg zur besonderen ambulanten Versorgung und der Integrierten Versorgung.
6. Berücksichtigung von Preisvergleichslisten.
7. Sprechstundenangebot werktäglich (außer Samstag) und mindestens eine Abendsprechstunde pro Woche.
8. Enge Zusammenarbeit mit der AOK zur Nutzung derer Präventionsangebote und Beratungsleistungen.

Mfg
Frank Neßler

GKV Bayern 2008 AOK

Hausärzteverband verspricht Kollegen den Abschied von der Punkte-Welt
In Baden-Württemberg wollen AOK, Hausärzteverband und Medi ein neues Kapitel der Vertragspolitik aufschlagen
STUTTGART. Die neue Welt des AOK-Hausarztvertrags in Baden-Württemberg ist groß: "Status quo plus XXL", verspricht Verbandsvize Dr. Frank-Dieter Braun teilnehmenden Hausärzten etwa bei den Honoraren. Aber die Verbandsspitze weiß auch: "Klappt es nicht, bleibt der Vertrag eine Anekdote in der Gesundheitspolitik", sagt Landes-Hausärztechef Dr. Berthold Dietsche.

Von Florian Staeck und Wolfgang van den Bergh



Eng verbandelt: Hausärzteverband und Medi sowie die AOK gehen mit dem geplanten Vertrag auf Tuchfühlung.

Foto: imago

Stuttgart war kurz vor Weihnachten das Epizentrum eines Erdbebens in der Gesundheitspolitik. Erstmals verhandeln zwei Verbände, Hausärzteverband und Medi, mit der AOK über die komplette hausarztzentrierte Versorgung in einem Flächenland. Mit dem Zuschlag der AOK schlagen die Verbände ein neues Kapitel in der Geschichte frei verhandelbarer Verträge auf. Die KV ist außen vor.



"Bei den Honoraren streben wir den Status quo plus XXL an." Dr. Frank-Dieter Braun Vize-Chef des Hausärzteverbands in Baden-Württemberg
Hinzu kommt: Honoriert werden sollen die teilnehmenden Hausärzte - beide Verbände bringen im Südwesten etwa 4500 Hausärzte mit - dadurch, dass die Gesamtvergütung der KV nach einem noch auszuhandelnden Verfahren gekürzt wird.

Grundpauschale angesetzt, dann floaten die Punktwerte
Für den Hausärzteverband ist der Vertrag, der zum 1. Juli starten soll, der zentrale Hoffnungsträger, um dem "Elend des neuen EBM" zu entkommen: So werde etwa das Punktzahlgrenzvolumen in Baden-Württemberg bereits mit der Abrechnung der hausärztlichen Grundpauschale fast erreicht, berichtet Dietsche. Jede weitere Leistung werde nur noch mit floatenden Punktwerten vergütet.

Damit soll im AOK-Vertrag Schluss sein. "Es wird keine Punkte geben", kündigt der Vorstand an. Stattdessen strebe man eine "einfache pauschalierte Gebührenordnung" an. Verhandlungsbasis soll der Vorschlag des hausärztlichen Fachausschusses der KBV vom Januar 2007 sein. Der Fachausschuss hatte damals eine Berechnung vorgelegt, in der Praxismieten, Tarifverträge, Energiekosten und Abschreibungen berücksichtigt wurden. Die daraus ermittelten Gesamtkosten beliefen sich auf 276 000 Euro für eine Durchschnittspraxis bei einer angenommenen Scheinzahl von 800 Patienten. Bei unterschiedlicher Altersgewichtung errechnete der Fachausschuss eine Grundpauschale von 85 Euro im Schnitt.

Anpassung an steigende Morbidität ist noch nicht geklärt


"Die Kollegen können ihre bisherige EDV weiter benutzen." Dr. Berthold Dietsche Chef des Hausärzteverbands in Baden-Württemberg
Beim Hausarztvertrag soll die Jahr um Jahr steigende Morbidität berücksichtigt werden, fordern Dietsche und Braun. Wie dieser Anpassungsfaktor berechnet werden soll, sei aber noch ungeklärt. Dietsche und Braun bestreiten den Vorwurf der KBV-Spitze, sie verspielten das erreichte Ziel, das die Morbidität künftig von den Kassen getragen wird. Für den Verband ist zudem entscheidend, dass im AOK-Vertrag die Lotsenfunktion des Hausarztes tatsächlich etabliert wird, um das "Facharzthopping" zu beenden.

Ausdrücklich hat die AOK in ihren Ausschreibungsbedingungen verlangt, dass die teilnehmenden Ärzte auch andere AOK-Verträge, etwa nach Paragraf 73 c SGB V (besondere ambulante Versorgung) unterstützen. Dietsche hat damit auch mit Blick auf Medi kein Problem. Medi ist fachübergreifend organisiert und drängt für seine Fachärzte auf eigene Verträge. Bei der genauen Beschreibung der Schnittstellen zwischen der haus- und der fachärztlichen Versorgung "wollen wir aber natürlich dabei sein", betont Dietsche.

Das Verhältnis zu Medi beschreibt der Vorstand als "freundliches Zweckbündnis", programmatisch gehe man nur zum Teil gleiche Wege. So habe der Hausärzteverband in Baden-Württemberg mit Korbmodellen als Vorbereitung für einen GKV-Ausstieg, wie sie bei Medi diskutiert werden, nichts im Sinn. Das gelte auch für die Diskussion, die der Hausärzteverband in Bayern aktuell dazu führt. Dietsche: "Unsere Landesverbände sind hier völlig autonom."

Viel vorgenommen haben sich die künftigen Partner bei der EDV-Ausstattung der teilnehmenden Hausärzte. Denn diese sollen nach dem Willen der AOK bei der Verordnung Preisvergleichslisten berücksichtigen. "Die Kollegen können ihre bisherige EDV benutzen", beruhigt Dietsche. Verordner sollen auf die - werbefreie - Software zugreifen, um die AOK-Informationen berücksichtigen zu können.

In Sachen EDV zerstreut Dietsche Befürchtungen, wonach die teilnehmenden Hausärzte ihre Abrechnungsdaten direkt an die AOK liefern sollen: "Der Kollege stellt seine Unterlagen der Hausärztlichen Vertragsgemeinschaft zur Verfügung." Diese leitet die aggregierten Daten an die AOK weiter. Dietsche: "Nichts anderes macht auch die KV."

"Ein Angriff auf das KV-System"
Die Ausschreibung der AOK hat bei der KBV die Alarmglocken schrillen lassen. KBV-Chef Dr. Andras Köhler warnte in der Vertreterversammlung der KBV am 7. Dezember vor Fehlentwicklungen:

"Der angeblich maßgeschneiderte Vertrag ist in Wirklichkeit eine Zwangsjacke."
"Die Ausschreibung hat den Charakter eines Angriffs auf das KV-System."
"Therapiefreiheit und individuelle Behandlung sind passé."
"Ärzte begeben sich in eine direkte Abhängigkeit einer Kasse."
"Honoraranpassungen werden durch eine zementierte Pauschale ausgeschaltet."

DOKUMENTATION
Was die AOK von Ärzten fordert
Die AOK macht ihren Partnern in der Ausschreibung unter anderem folgende Vorgaben:

Nutzung einer online-fähigen EDV (ab Windows 2000) und Anbindung über ISDN oder DSL zur Steuerung von Abrechnungs-, Verordnungs- und Informationsprozessen.
Elektronische Abrechnung der Leistungen gegenüber der AOK.
Führen einer elektronischen Patientenakte.
Aktive Umsetzung von DMP.
Unterstützung von Verträgen der AOK Baden-Württemberg zur besonderen ambulanten Versorgung und der Integrierten Versorgung.
Berücksichtigung von Preisvergleichslisten.
Sprechstundenangebot werktäglich (außer Samstag) und mindestens eine Abendsprechstunde pro Woche.
Enge Zusammenarbeit mit der AOK zur Nutzung derer Präventionsangebote und Beratungsleistungen.

Dienstag, 22. Januar 2008

Plädoyer für mehr Eigenverantwortung

Plädoyer für mehr Eigenverantwortung

Die nachhaltige Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) war das erklärte Ziel der jüngsten Gesundheitsreform. Doch dieses wurde gründlich verfehlt, die GKV kann auf Dauer das heutige Leistungsniveau nicht finanzieren. Demografische Entwicklung, medizinischer Fortschritt und die steigende Nachfrage nach Prävention und Wellness werden dazu führen, dass die Gesundheitsversorgung der Zukunft zunehmend vom Einzelnen zu tragen sein wird. Um dies stärker ins öffentliche Bewusstsein zu heben schlägt unser Autor eine Kampagne zur Aufklärung der Bevölkerung vor.

von Fritz Beske




Professor Dr. Fritz Beske: „Abkehr von der Vorstellung, dass es Aufgabe der GKV oder des Staates sei, alles sicherzustellen.“ Foto: IGSF


Die Finanzierung der Gesundheitsversorgung wird zunehmend weniger von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und zunehmend mehr von jedem einzelnen Versicherten zu tragen sein. Hierfür gibt es drei Gründe. Erstens die demografische Entwicklung mit immer mehr Älteren jenseits der Berufsfähigkeit und immer weniger Jüngeren im erwerbsfähigen Alter (20 bis 64 Jahre). Zweitens der medizinische Fortschritt, der allen zugute kommen soll, der aber seinen Preis hat. Und drittens Möglichkeiten in Prävention, Therapie und Rehabilitation, die niemals im möglichen und gewünschten Ausmaß von der GKV finanziert werden können. Andererseits nimmt der Wunsch nach Gesundheit bis ins hohe Alter zu. Wie ist dies alles in Einklang zu bringen?

Generationen unterschiedlich belastet

Zunächst ist festzustellen, dass die Generationen unterschiedlich belastet sind. Die nicht mehr im Erwerbsleben stehende Generation, die Generation der Älteren, zahlt bei insgesamt steigenden Krankheitskosten in einem Umlageverfahren von ihrer Rente weniger in die GKV ein als sie die GKV kostet. Dies entspricht der Anlage eines solidarischen Systems, wonach von den im Erwerbsleben stehenden beitragspflichtigen Mitgliedern in jüngeren Jahren mehr in die GKV eingezahlt wird als diese Mitglieder kosten. Dies hat auch die jetzt ältere Generation zu Zeiten getan, in der sie versicherungspflichtig im Erwerbsleben stand. Die Gesunden für die Kranken und die Jüngeren für die Älteren, dies ist das Prinzip einer solidarisch finanzierten Krankenversicherung.

Anders dagegen die Situation der Generation im erwerbsfähigen Alter. Diese Generation muss zunächst finanzieren, was sie selbst und was ihre Familie von der GKV an Leistungen in Anspruch nehmen, ein Aufwand, der mit dem medizinischen Fortschritt steigt. Diese Generation muss dann weiter systemimmanent anteilmäßig die Leistungen der GKV für die Älteren finanzieren, auch hier wegen des medizinischen Fortschritts mit kontinuierlich steigenden Ausgaben. Dies wäre noch ein normaler Vorgang, solange sich nicht die Relation von Jüngeren zu Älteren nahezu dramatisch verschiebt. Doch genau dies kommt auf uns zu. Im Jahr 2000 befanden sich 51,2 Millionen und damit 62,2 Prozent der Gesamtbevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Im Jahr 2050 werden es nur noch 35,5 Millionen und damit 51,7 Prozent der Gesamtbevölkerung sein. Im gleichen Zeitraum steigt die Zahl der Personen, die statistisch mit 65 Jahren und älter nicht mehr im erwerbsfähigen Alter sind, von 13,7 Millionen auf 22,9 Millionen und damit von 16,6 auf 33,3 Prozent der Gesamtbevölkerung. Es kommt hinzu, dass die Lebenserwartung weiter steigt. Nach der Generationensterbetafel des Statistischen Bundesamtes beträgt heute die durchschnittliche Lebenserwartung eines neugeborenen Mädchens 87,8 Jahre, eines neugeborenen Jungen 81,7 Jahre. Alle vier Jahre kommt ein weiteres Jahr hinzu. Damit müssen zunehmend mehr Ältere von immer weniger Jüngeren versorgt werden, finanziell und personell.

Für künftige Generationen im erwerbsfähigen Alter kann außerdem der Aufbau eines Kapitalstocks hinzukommen. Dies wird aktuell für die soziale Pflegeversicherung gefordert, so auch von der Bundeskanzlerin, mehr und mehr aber auch für die Gesetzliche Krankenversicherung. Die Vorstellung, dass ein derartiger Kapitalstock mit Steuermitteln in nennenswertem Umfang rechnen kann, dürfte spekulativ und unrealistisch sein. Dazu sind die Anforderungen an den Bundeshaushalt zu groß. Es genügt, auf Klimaschutz, Energieversorgung, Kinderbetreuung und Forschung hinzuweisen. Schon der Kapitalstock in der Sozialen Pflegeversicherung dürfte viele Milliarden Euro erfordern, der Kapitalstock in der Gesetzlichen Krankenversicherung mehrere hundert Milliarden Euro.

Für die Generation im erwerbsfähigen Alter ist die Notwendigkeit einer persönlichen Altersvorsorge unbestritten. Die Rentenhöhe sinkt und reicht immer weniger für die finanzielle Absicherung aus. Nach einer jüngsten Studie der Deutschen Rentenversicherung droht ohne Eigenvorsorge für das Alter Altersarmut.

In der Zusammenschau ergibt sich ein düsteres Bild. Wege in die Zukunft können aber nur dann gesucht und gefunden werden, wenn endlich von der Politik der Mut aufgebracht wird, allgemeine und isolierte Forderungen für die Zukunft zu einem Gesamtkonzept für künftige Generationen zusammenzufassen und schlicht zu rechnen. Dies steht aus.

Die ältere Generation muss handeln

Die Situation erfordert eine Antwort auf die Frage: Wie soll die Versorgung der älteren Generation finanziert werden? Wer zahlt? Die Antwort kann nur lauten: Mehr und mehr der Einzelne selbst. Eine bittere, aber eine der Wirklichkeit entsprechende Erkenntnis. Aber können Ältere dies auch leisten? Die Antwort muss differenziert gesehen werden, lautet aber für viele in dieser Generation: ja, dies kann geleistet werden, wenn die Einsicht und der Wille vorhanden sind.

Zunächst gibt es auch und vielleicht gerade in der älteren Generation einen statistisch exakt wohl nie zu erfassenden Teil, der hierzu nicht in der Lage ist, vielleicht sogar an der Armutsgrenze oder darunter lebt. Für viele andere gilt jedoch, dass sie neben dem für das tägliche Leben erforderlichen Teil ihrer finanziellen Ressourcen über einen weiteren Teil ihres verfügbaren Einkommens Entscheidungsfreiheit haben. Sie können selbst bestimmen, wofür sie diese Mittel einsetzen, für Kinder und Enkel direkt oder zum Vererben, ein verständlicher und nachvollziehbarer Grund, der jedoch bei sich verändernden Verhältnissen zumindest teilweise in Frage gestellt werden muss, oder für sich selbst.

Hier muss auf eine Diskussion hingewiesen werden, die in den USA begonnen hat und die unter das Motto gestellt werden kann: Prüfe genau, wofür Du Geld ausgibst, und denke dabei auch an Deine eigene Gesundheit - es lohnt sich. Es geht dabei um die Frage der Prioritätensetzung der Ausgaben frei verfügbarer Mittel, für eine weitere Reise, für ein neues Auto, eine neue Wohnungseinrichtung, für Kleidung, für die Erben oder für die eigene Gesundheit. Und die Antwort lautet, dass es sich lohnt, in die eigene Gesundheit zu investieren, in allen drei Leistungsbereichen Prävention, Behandlung und Rehabilitation, aber auch für Wellness, und dies in jedem Lebensalter.

Erforderlich ist ein Bewusstseinswandel bei den Betroffenen. Erforderlich ist eine offene und ehrliche Darstellung der Situation mit einer Abkehr von der Vorstellung, dass es wohl Aufgabe der GKV oder des Staates sei, alles sicherzustellen und damit auch alles zu finanzieren. Es erfordert die Stärkung von Eigenverantwortung und Vorausschau, aber auch die Stärkung des Selbstbewusstseins mit der Zuversicht und der Einsicht: Dies kann ich selbst gestalten. Dies ist Für- und Vorsorge für mein eigenes Leben.

Wohlstand in Deutschland

Bleibt die Frage: Ist dies alles illusionär? Gehen diese Forderungen an der Wirklichkeit vorbei oder haben diese Forderungen einen realen Hintergrund? Es ist die Frage nach dem Wohlstand in Deutschland.

Deutschland gilt im internationalen Vergleich als ein wohlhabendes Land. Dies bedeutet nicht, dass es keine Unterscheide im verfügbaren Einkommen gibt. Der Wohlstand ist nicht gleichmäßig verteilt. Es gibt wie in jeder Gesellschaft Unterschiede. Es ist jedoch die Feststellung gerechtfertigt, dass die Mehrheit der Bevölkerung in der Lage ist, über die Sicherung des täglichen Lebens hinaus frei über Einkommensteile zu verfügen. Für den Wohlstand in Deutschland einige Beispiele:
• In Deutschland wird heute mehr gespart als in der Vergangenheit. Ende 2005 betrug der Wert des privaten Geldvermögens 4,26 Billionen Euro, mehr als doppelt so viel wie 1991. Jahr für Jahr legen die Deutschen fast 11 Prozent ihres verfügbaren Einkommens zurück, für schlechte Zeiten, für größere Anschaffungen, aber auch für das Alter.
• Vier von zehn Bundesbürgern geben ihr Geld am liebsten für Urlaub und für Reisen aus, gefolgt von technischen Produkten wie Unterhaltungselektronik und für Kleidung.
• Von 100 Urlaubsreisen gehen nur 32 ins Inland, 68 ins Ausland.
• Für Pauschalreisen (Urlaubsreisen) ins Inland wurden 2005 rund 10 Milliarden, für Auslandsreisen rund 43 Milliarden Euro ausgegeben.
• Die Zahl der Handys in Deutschland hatte schon 2006 die Bevölkerungszahl von 82,2 Millionen erreicht, jetzt ist diese Zahl bereits überschritten. Der Trend geht zum Zweit- und Dritthandy.
• 2006 wurden für Tabakwaren 23, für alkoholische Getränke 21 und für Glücksspiele 9 Milliarden Euro (Stand: 2004) ausgegeben.
• 2006 betrug der Bestand an Personenkraftwagen (PKW) über 43 Millionen, das ist im Durchschnitt ein PKW auf weniger als zwei Personen, Säuglinge und Greise eingeschlossen.
• 2006 erhielten die privaten Haushalte Auszahlungen für Lebensversicherungen in Höhe von 66,5 Milliarden Euro.
• In den nächsten 10 Jahren ist für Erbschaften mit einem Gesamtvolumen von 2,3 Billionen Euro zu rechnen.
• Zugenommen hat die Vorsorge für das Alter, ein Trend, der anhält. Die Kampagne zur Eigenvorsorge für das Alter zeigt Wirkung.

Insgesamt ergibt sich ein Bild, das die Behauptung, Deutschland sei ein wohlhabendes Land, in dem eine Mehrheit der Bevölkerung über frei verfügbares Einkommen verfügt, doch eindrucksvoll belegt.

Schlussfolgerung

Die Aufklärung der Bevölkerung darüber, dass die Absicherung im Alter durch die Gesetzliche Rentenversicherung in Zukunft nicht mehr ausreichend ist, zeigt Erfolge. Immer mehr Bürger sorgen zusätzlich zur Rente für die finanzielle Absicherung im Alter vor. Eine ähnliche Kampagne ist auch für den Bereich Gesundheit erforderlich. Es ist einfach nicht wahr, dass die Gesetzliche Krankenversicherung auf Dauer das heutige Leistungsniveau finanzieren kann. Abstriche sind vorprogrammiert. Gleichgültig, wie der dann ausgestaltete Leistungskatalog genannt wird, ob Grund-, Basis- oder Standardversorgung, es wird weniger sein als heute. Je eher definiert wird, was der Leistungskatalog der GKV auch in Zukunft leisten und finanzieren kann, desto eher weiß der Versicherte, was in der Gesundheitsversorgung auf ihn zukommt, desto rechtzeitiger kann sich jeder auf das einstellen, was er sich an Gesundheitsversorgung im Alter wünscht. Und desto rechtzeitiger kann er die finanziellen Weichen hierfür stellen. Dazu gehört auch: Lasst die Erben zahlen.

Professor Dr. med. Fritz Beske MPH ist Direktor des Instituts für Gesundheits-System-Forschung Kiel (IGSF). In der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt studierte er Medizin, danach in den USA als einer der ersten Deutschen überhaupt Public Health. Es folgten Stationen im Kieler Innenministerium, bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO), im Bundesgesundheitsrat und als Staatssekretär im Sozialministerium von Schleswig-Holstein.

Das IGSF, das Beske seit der Gründung 1975/76 als Direktor leitet, ist eine gemeinnützige Stiftung mit dem Arbeitsschwerpunkt Politikberatung. Themen sind neben Grundsatzfragen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auch eine Vielzahl einzelner Themen des Gesundheitswesens wie Krankenhausversorgung oder Allgemeinmedizin. Das IGSF wurde im Jahr 1983 „WHO Collaborating Centre for Public Health Research“, die heutige Bezeichnung lautet „WHO Collaborating Centre for Health Care Systems Research and Development“.

Seit dem Jahr 1987 gibt es neben der gemeinnützigen Stiftung die IGSF Institut für Gesundheits-System-Forschung GmbH, die im Auftrag beispielsweise von Behörden, Ver-bänden, Unternehmen und Krankenhausträgern arbeitet. Seit dem Jahr 2001 sind Stiftung und GmbH getrennt. Die Stiftung IGSF stellt seither ihrem Namen den des Gründungsdirektors Fritz Beske voran. Das Institut gibt eine Schriftenreihe heraus, in der bisher 108 Titel erschienen sind.

Anschrift: Fritz Beske Institut für Gesundheits-System-Forschung Kiel, Weimarer Straße 8, 24106 Kiel

GKV 2008 Systemausstieg Fragen und Antworten

Sehr geehrte Kollegen,

informieren Sie sich unter dem Link

http://www.hausarzt.de/arzt/forum/index.html?md=view&gid=7&aid=299327&st=0
oder
http://www.hausarzt.de/arzt/forum/download.php?did=805

zu den gegenwärtigen Fragen in Bayern zum GKV-Systemausstieg.

Mfg
Frank Neßler

Internet: Atemwege - Site-Seeing

ATEMWEGE im Internet

1. www.capnetz.de: Grundlagen, zentrale Datenbank, Therapien, Standards

2. www.selbsthilfe-lot.de: Patienten, Sauerstoff-Therapien

3. www.lungencheck.de: Webseite Fa. Linde Gas Therapeutics

Freitag, 18. Januar 2008

Beitritt des Koll. Dr.med. M.Nagel, HNO, Mülheim-Kärlich

Sehr geehrte Mitglieder,

Koll. M. Nagel, HNO, aus Mülheim-Kärlich, ist kürzlich unserem Netzwerk beigetreten.
Der Vostand begrüßt die Initiative des Koll. von der anderen Rheinseite.

Mfg
Frank Neßler
i.A.d. Vorstandes MQnÄRN

MQnÄRN 1. Vollversammlung fand statt

Sehr geehrte Kollegen,

am 16. Januar 2008 fand die erste Vollversammlung des Medizinischen Qualitätsnetzes Ärztering Neuwied e.V. statt.
Der Tagesordnung entsprechend standen 2 Hauptthemen zur Diskussion bzw. zur Abstimmung. Zuerst wurden alle Mitglieder gebeten, Ihre Wünsche und Vorstellungen sowie Erwartungen an das Ärztenetz Neuwied zu benennen. Hier kam es zu einem regen Gedankenaustausch. Wir werden versuchen, bei einzelnen Fragen und Themenkomplexen schnell Lösungen zu finden.
Als zweiter Komplex stand der Beitritt zur Kooperation Westerwälder Ärztenetze zur Debatte. Koll. Scholl, Vorsitzender der Kooperation, umriß kurz wichtige Arbeitsschwerpunkte der Kooperation.
Es erfolgte ein einstimmiger Beschluß zum Beitritt. Die Koll. Reis und Neßler wurden als Delegierte zu den Versammlungen der Kooperation ebenfalls einstimming bestätigt.

Frank Neßler
i.A.d. Vorstandes MQnÄRN

Freitag, 11. Januar 2008

Donnerstag, 10. Januar 2008

EBM 2008 Morbi-Zuschlag

Morbiziffer hängt nicht vom Arzt ab

Alle Fragen und Antworten im EBM-Forum finden Sie hier »
Klaus Lischka, Allgemeinmediziner

Frage: Kann ich den Morbi-Zuschlag nur abrechnen, wenn der Patient in allen vier Quartalen des vergangenen Jahres wenigstens einmal bei mir war?

Antwort: Das ist keine zwingende Voraussetzung. Nach der Definition der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (Paragraf 2 Absatz 2) ist eine Krankheit schwer chronisch, wenn sie wenigstens ein Jahr lang mindestens einmal pro Quartal ärztlich behandelt wurde (Dauerbehandlung).

Weitere Voraussetzung ist unter anderem, dass eine kontinuierliche medizinische Versorgung erforderlich ist, ohne die nach ärztlicher Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die besagte Krankheit zu erwarten wäre.

Ist der Patient zuvor bei einem anderen Arzt behandelt worden, besteht für Sie kein Grund, auf die Ansetzung der Morbi-Ziffer 03212 zu verzichten. In der Definition des Bundesausschusses gibt es nämlich keinen Arztbezug.

Anders ist dagegen der Fall, wenn eine chronische Erkrankung bei einem Patienten neu diagnostiziert wird: Hier besteht dann drei Quartale lang kein Anspruch auf den Morbiditäts-Zuschlag.

Dr. Hans-Reinhard Pies

Anmerkung der Redaktion: Nachdem die Antwort gegeben wurde, hat der Bewertungsausschuss bei der Abrechnung der Betreuung chronisch kranker Kleinkinder eine Bestimmung geändert. Demnach kann der Chronikerzuschlag nun auch bei Kleinkindern abgerechnet werden, die ein Jahr alt oder jünger sind. Die Beschränkung, dass mindestens vier Quartale hintereinander eine Behandlung stattgefunden hat, wurde damit also aufgehoben

Mittwoch, 9. Januar 2008

Rechtsurteile Datenbak

Die Rechtsprechung im Besonderen ist Gegenstand des Angebots von Lexetius, handelt es sich bei dem Angebot doch um eine umfangreiche Datenbank für höchstrichterliche Rechtsprechung. Hier finden sich die wichtigsten Urteile aller Bundesgerichte, wie auch der Europäischen Gerichte.
http://www.lexetius.com

Das ABC der Reformen

Bitte lesen Sie unter

http://www.aerztezeitung.de/jahresendausgabe/

Aufgepasst - die neuen Arzt-Partner sind hungrig!

Aufgepasst - die neuen Arzt-Partner sind hungrig!
"Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser" - dieses geflügelte Wort wird Lenin zugeschrieben, obwohl seine Hagiographen nichts entsprechendes in seinen Schriften gefunden haben. Anhänger hat diese Maxime jedenfalls genügend, nicht zuletzt auch, so scheint es, unter den gesetzlichen Krankenkassen. Allerdings nicht unter allen, denn die gesetzlichen Krankenkassen gliedern sich mittlerweile in zwei Gruppen: Die "Leninisten" und die "Partner".

Zu den "Leninisten" gehören in erster Linie Kassen, die derart auf ideologisch treuer Linie liegen, dass sie glauben, ohne gehäufte Kontrollmaßnahmen nicht auskommen und nichts ausrichten zu können.

Neben den bereits altbekannten Abrechnungs- und Wirtschaftlichkeitsprüfungen gibt es inzwischen ein multum an Qualitätskontrollen und Medikamentenverordnungsprüfungen, in letzter Zeit dazu noch statistische Prüfungen der verordneten Heilmittel. Als Folge der letzteren haben Vertragsärzte in ganz Deutschland Regresse in einer Höhe bekommen, die an die Abenteuer des Barons von Münchhausen erinnern.

Vorfahrt für die Statistik! Es soll die Frage erlaubt sein, wie man "rein statistisch" eine Behandlung überprüft - ohne Kenntnis des Patienten, seines Gesundheitszustands, seiner Verhältnisse. Ganz abgesehen davon, dass allein der Terminus "Regress" ein Ärgernis für die Betroffenen ist. Eigentlich kann der "Regress" nur jemanden treffen, der Honorar für etwas bekommen hat, das ihm nicht zusteht. Ärzte aber verordnen Versicherten notwendige Heilmaßnahmen, ein anderer führt sie aus, berechnet sie und bekommt sie bezahlt. Die genauen Kosten dafür kennt der Doktor nicht - Regresse aber bekommt er trotzdem. Doch eigentlich sind das gar keine Regresse, das müsste man eher Kontribution nennen! Kontribution ist laut Lexikon eine Kostenauflage, die im oder nach einem Krieg Bürgern der unterlegenen Seite auferlegt wird. Sollte es das sein, was man bezweckt?

Und da kommen wir schon zum anderen Teil der Krankenkassen - zu denen, die sich gern so freundlich als "Partner" gerieren. Da passt trefflich der Witz aus der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", den angeblich Wladimir Putin Angela Merkel beim G-8 Treffen in Heiligendamm erzählt hat:

Wolf und Bär erlegen gemeinsam einen Hasen, um ihren Hunger zu stillen. Eigentlich schade, meint der Bär, denn der Hase sei kein schlechter Kerl gewesen und habe außerdem schön satt gemacht. Ein Grabstein für Meister Lampe sei deshalb angebracht. Der Wolf hat nichts dagegen. Aber die Inschrift bereitet beiden Kopfzerbrechen. Die Inschrift "Unserem Freund" wird von beiden als unangebracht empfunden, denn schließlich hatte man sich den Hasen ja gerade schmecken lassen; aber auch die Inschrift "Unserem Feind" kommt nicht in Frage, weil der Hase weder für den Bären noch für den Wolf ein ebenbürtiger Gegner war. Schließlich wartet der Bär mit der Lösung auf: Schreiben wir doch einfach: "Unserem Partner".
Die Partner der Krankenkassen sind Ärzte - in den KVen, bei Hausarztverträgen, demnächst vielleicht in Sonderverträgen im Ländle. Die Ärzte aber möchten nicht gefressen werden, meint

Wer möchte sich schon gern von den Kassen fressen lassen?
Ihr Ironius

Chroniker-Komplex jetzt doch für hausärztliche Diabetologen

Chroniker-Komplex jetzt doch für hausärztliche Diabetologen
Berlin (ger). Ärzte in hausärztlichen diabetologisch tätigen Schwerpunktpraxen werden jetzt doch die Chronikerzuschläge (Ziffern 03212 und 04212) abrechnen, wenn ihre Patienten auf Überweisung eines Hausarztes kommen. Darauf haben sich Ärzte und Krankenkassen in der 301. Sitzung des Arbeitsausschusses des Bewertungsausschusses am 18. Dezember geeinigt. Die Neuregelung gilt ab dem 1. Januar 2008, also mit Einführung des neuen EBM.
Die Gültigkeit dieser Regelung, so heißt es in einem Schreiben, das der "Ärzte Zeitung" vorliegt, beziehe sich auf den Zeitraum vom 1. Januar bis 30. Juni 2008. In dieser Zeit werde der Bewertungsausschuss prüfen, inwieweit ergänzende Regelungen für diabetologische Schwerpunktpraxen für die Leistungsberechnung bei Überweisungen durch einen Hausarzt erforderlich sind. Diabetologische Schwerpunktpraxen, aber auch HIV-AIDS-, hepatologische, hämato-onkologische und rheumatologische hausärztliche Schwerpunktpraxen, hatten zuvor auf die Gefahren einer deutlichen Schlechterstellung bei der Berechnung von Leistungen nach einer Überweisung durch einen hausärztlich tätigen Kollegen hingewiesen. Hintergrund: Bei einer fachgruppengleichen Überweisung kann der behandelnde Arzt nur die halbe Versichertenpauschale abrechnen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hatte sich zunächst aber nicht durchsetzen können, dass die Schwerpunktpraxen wenigstens die Chronikerzuschläge berechnen können. Mit dem jetztigen Beschluss des Arbeitsausschusses wird den Bedenken nun Rechnung getragen. Für die anderen hausärztlichen Schwerpunktpraxen, zum Beispiel HIV-AIDS-, hämato-onkologische und rheumatologische Schwerpunkte wird der Bewertungsausschuss jetzt "das Abrechnungs- und Leistungsgeschehen bei hausärztlichen Überweisungsfällen im 1. Quartal 2008 einer besonderen Überprüfung unterziehen". Bei Handlungsbedarf werde "der Bewertungsausschuss umgehend hierzu entscheiden". Der Arbeitsausschuss weist aber auch ausdrücklich darauf hin, dass "im Rahmen der Verpflichtung zur Sicherstellung der vertragsärztlichen Versorgung" die KVen hausärztlichen Schwerpunktpraxen "auf Antrag" weitere Leistungen genehmigen könne, zum Beispiel: KFür Praxen, die im Schwerpunkt hämato-onkologische Leistungen erbringen, könne eine Genehmigung zur Abrechnung der Gebührenordnungspositionen des Abschnitts 1.5 (ambulante praxisklinische Betreuung und Nachsorge) und der Gebührenordnungsposition 02101 (Infusion) sowie - im Falle einer arztgruppengleichen Überweisung - zusätzlich zur Abrechnung der Gebührenordnungsposition 13500 (Komplex für internistische Onkologie und Immunologie) erteilt werden.

KFür Praxen, die im Schwerpunkt rheumatologische Patienten betreuen, könne eine Genehmigung zur Abrechnung der Gebührenordnungsposition des Abschnitts 1.5 und der Gebührenordnungsposition 02101 sowie - für den Fall einer arztgruppengleichen Überweisung - zusätzlich zur Abrechnung der Gebührenordnungsposition 13700 (Komplex für internistische Rheumatologen) erteilt KFür Praxen, die im Schwerpunkt Patienten mit HIV/AIDS betreuen, könne eine Genehmigung zur Abrechnung der Gebührenordnungspositionen des Abschnitts 1.5 und der Ge-bührenordnungsposition 02101 sowie - für den Fall einer arztgruppengleichen Überweisung - zusätzlich die Genehmigung zur Abrechnung der Gebührenord-nungsposition 13500 erteilt werden.

Mit anderen Worten: KVen könnten auf regionaler Ebene selbst dazu beitragen, die möglicherweise entstehende Not der Schwerpunktpraxen zu lindern. Weitere Beschlüsse in der Sitzung: Zum einen kann der Chronikerzuschlag für die hausärztliche Betreuung (03212 und 04212) nun auch bei Kleinkindern abgerechnet werden, die ein Jahr alt sind oder weniger. Die Beschränkung der Abrechnung der Leistungsziffer darauf, dass schon mindestens vier Quartale eine Dauerbehandlung stattgefunden hat, ist für diese Patienten aus naheliegenden Gründen aufgehoben worden. Zum anderen wird eine neue Ziffer (01735) eingeführt zur Berechnung einer Früherkennungsberatung für Brust- und Darmkrebs sowie für das Zervix-Karzinoms. Die Beratung (bewertet mit 230 Punkten) kann nur von Ärzten berechnet werden, die die entsprechenden Untersuchungen machen dürfen. Wir werden im kommenden Jahr genauer über die Umsetzung berichten. Die Ergebnisse der Sitzung des Arbeitsausschusses bedürfen formal noch der Zustimmung im einheitlichen Bewertungsausschuss, aber Insider rechnen nicht damit, dass auf so kurze Frist noch Änderungen zu erwarten sind.

Plausi-Zeiten sind im Blick zu behalten

Plausi-Zeiten sind im Blick zu behalten

Zeitliches Quartalsprofil der Versichertenpauschalen und des Morbi-Zuschlags liegt bei jeweils etwa 20 Minuten

NEU-ISENBURG. Plausibilitätsprüfung mit dem neuen EBM - "da wird weniges anders oder besser werden als bisher", sagt Abrechnungsexperte Dr. Peter Schlüter. Weniger Probleme sind mit Tagesprofilen zu erwarten, da viele Einzelleistungen in der Versichertenpauschale aufgehen. Praxen mit vielen Patienten und chronisch Kranken werden mit den Prüfzeiten aber leicht auffällig und sollten deshalb ihre Leistungen gut dokumentieren.

Von Julia Frisch



Praxen mit großem Patientenandrang müssen sich bei der Abrechnung der Pauschalen nicht zurückhalten, sollten aber ihre Leistungen gut dokumentieren.

Foto: Klaro
Auch 2008 bleibt es dabei: Niedergelassene, die an mindestens drei Tagen im Quartal nach den Prüfzeiten mehr als zwölf Stunden arbeiten oder im gesamten Quartal auf über 780 Stunden kommen, gelten als auffällig und müssen sich auf eine Plausibilitätsprüfung durch die KV gefasst machen. Wie bisher der Ordinationskomplex wird auch die Versichertenpauschale mit einem zeitlichen Quartalsprofil hinterlegt. Je nach Alter der Patienten werden 20 bis 23 Minuten veranschlagt. Die Hälfte der Zeit wird der halben Versichertenpauschale zugrunde gelegt (also zwischen zehn und zwölf Minuten). Der Morbiditätszuschlag erhält ein Quartalsprofil von 20 Minuten.

Für Ärzte mit vielen auch chronisch kranken Patienten bedeutet das: Sie geraten mit den neuen Prüfzeiten relativ schnell an die Auffälligkeitsgrenze von 780 Stunden pro Quartal. Ein Beispiel: Eine Praxis mit 1200 Patienten rechnet für diese die Versichertenpauschale à 23 Minuten ab. Im Quartalsprofil schlägt sich das mit 460 Stunden nieder. Sind die Hälfte der Patienten chronisch krank, kann zusätzlich der Morbi-Zuschlag angesetzt werden. Das Quartalsprofil erhöht sich damit auf 626 Stunden.

Freilich: Kein Arzt, der das Quartalsprofil von 780 Stunden überschreitet, muss sofort einen Regress fürchten. Der KV muss zunächst nur dargelegt werden, warum - zum Beispiel - so viele Versichertenpauschalen abgerechnet wurden. "Die Prüfung ist noch nicht die Katastrophe. Man muss aber plausibel darlegen können, warum es dazu gekommen ist", sagt Abrechnungsexperte Dr. Peter Schlüter, Hausarzt in Nordbaden. Eine gute Dokumentation der Arzt-Patientenkontakte und erbrachten Leistungen sei deshalb wichtig.

Eine Gefahr, mit der Versichertenpauschale in die Plausi-Prüfung zu geraten, besteht nach Ansicht von Dr. Gerd Zimmermann, stellvertretender Vorsitzender der KV Hessen, nicht. Die Versichertenpauschale schreibe zwingend einen persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt vor, der Morbi-Zuschlag verlangt mindestens zwei Kontakte. "Eine verantwortungsbewusste hausärztliche Versorgung sollte eine solche Kontaktfrequenz gewährleisten", so Zimmermann.

Bei den Einzelleistungen, die im EBM 2008 noch verbleiben, ändert sich das Tages- oder Quartalsprofil im Vergleich zum EBM 2000plus nicht. Die Prüfzeit für das geriatrische Basisassessment zum Beispiel beträgt weiterhin zehn Minuten je Quartal. Beim Belastungs-EKG (Nummer 03321) bleibt es bei einem Tages- und Quartalsprofil von zehn Minuten, bei der Spirografie (Nummer 03330) bei einem Tages- und Quartalsprofil von drei Minuten.

Für den Qualitätszuschlag gibt es keine Prüfzeit
Eine gewisse Erleichterung beim Tagesprofil dürfte es für Ärzte dadurch geben, dass die Gesprächsleistung nach der jetzigen Ziffer 03120 ab dem kommenden Jahr nicht mehr abrechenbar ist. Sie war bisher häufiger Anlass für Prüfungen - schon deshalb, weil eine Beratung nach EBM-Abrechnungsbestimmungen im Zusammenhang mit dem Ordinationskomplex 20 Minuten dauern musste.

Auch wer als Arzt psychosomatische Leistungen erbringen darf, wird beim Tagesprofil entlastet. Für den neuen Qualitätszuschlag Psychosomatik (EBM-Ziffer 03235), mit dem die Leistungen nach den Nummern 35100 und 35110 abgegolten sind, gibt es keine Prüfzeit. Für die Ziffern 35100 und 35110 beträgt das Tagesprofil derzeit 16 Minuten. "Aber es bleiben noch andere Leistungen aus anderen Kapiteln, mit denen man weiter auffällig werden kann, zum Beispiel mit den Laborleistungen", sagt Schlüter. Das konnten Sie in der vergangenen Woche lesen: Laborleistungen Das lesen Sie in der nächsten Woche: Der neue EBM in der Praxis-EDV

Samstag, 5. Januar 2008

TGP - Ideen und Aufbauanleitung in Neuwied

Sehr geehrte Koll. und Mitglieder,

unter der Adresse http://groups.google.de/group/Aerztering-Neuwied-Grunder und http://groups.google.de/group/Aerztering-Neuwied-Beitritt/files sind Dokumente und Artikel zur Gründung einer überörtlichen und fachübergreifenden Teilgemeinschafts-
praxis in Neuwied z.B. zur Durchführung von IGEL-Angeboten zu finden.
Bitte bei Interesse an dieser Strukturform um rege Diskussion.

Mfg
Frank Neßler

Terminvereinbarung Online

Sehr geehrte Koll., Mitglieder,

in einer Beilage der Ärzte-Zeitung war vor einiger Zeit ein Beitrag zur Online-Terminvereinbarung zu lesen.
Ein System finden Sie unter www.terminland.de und ausprobieren können Sie es z.B. für meine Terminplanung unter www.terminland.de/s284.

Mfg
Frank Neßler

Freitag, 4. Januar 2008

AOK Bayern 2008 Kündigung aller Verträge

AOK Bayern kündigt Gesamtvertrag mit KVB


Die AOK Bayern will den Gesamtvertrag mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) inklusive aller Anlagen zum 31. März 2008 beenden. Darüber hat die KVB ihre Mitglieder in einem Rundschreiben informiert. Betroffen sind auch die Strukturverträge, die den niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten bisher feste Punktwerte außerhalb der pauschalierten Gesamtvergütung garantieren.


Zur Begründung verweist die AOK Bayern nach Angaben der KVB insbesondere auf die finanziellen Mehraufwendungen durch den neuen EBM 2008, die vor dem Hintergrund der unklaren Einnahmesituation der Krankenkassen durch den Gesundheitsfonds nicht hingenommen werden könnten. Die KVB prüft die Kündigungsschreiben der AOK Bayern derzeit rechtlich und fachlich.





Der KVB-Vorstand sieht in der Kündigung eine Folge des Gesetzes zur Stärkung des Wettbewerbs in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-WSG). Aufgrund der darin verankerten Honorarreform und des Gesundheitsfonds würden der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung in Bayern bis zu einer halben Milliarde Euro jährlich fehlen.





"In Bayern werden jetzt die vom Gesetzgeber gewollten Nivellierungen im deutschen Gesundheitswesen besonders drastisch sichtbar", erklärte Dr. Axel Munte, Vorstandsvorsitzender der KVB. Für die bayerische Staatsregierung, die der Gesundheitsreform zugestimmt hat, sei es höchste Zeit, zu handeln, um das qualitativ hohe Versorgungsniveau auch weiterhin zu garantieren.





Die KVB will mit der AOK Bayern möglichst bald Gespräche führen: "Unser Ziel ist es, das Vergütungsniveau der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten auch in Zukunft aufrechtzuerhalten, wichtige Strukturverträge fortzuführen und neue anzubieten", sagte der erste stellvertretende Vorsitzende des Vorstands der KVB, Dr. Gabriel Schmidt. Gemeinsam mit der AOK Bayern sollen Lösungen gefunden werden, die dem Rechnung tragen. "Unsere langjährige erfolgreiche Vertragspartnerschaft mit der AOK Bayern macht mich zuversichtlich, dass wir ein gutes Verhandlungsergebnis erzielen können, um die Qualität der bayerischen Patientenversorgung zu erhalten", ergänzte Munte.