Freitag, 22. Februar 2008

Teilgemeinschaftspraxis Erfahrungen

Ärzte wollen Verhandlungsmacht stärken
17 Kollegen gründen in Nordbaden eine Teilgemeinschaftspraxis / Schwerpunkt liegt auf dem Angebot von IGeL
AGLASTERHAUSEN. Teilgemeinschaftspraxen sind nach wie vor eine höchst umstrittene Kooperationsform für niedergelassene Vertragsärzte. In Nordbaden will eine Gruppe von Ärzten eine solche Teilgemeinschaftspraxis ausbauen, um eine regionale Verhandlungsmacht für Gespräche mit anderen Akteuren im Gesundheitswesen aufzubauen.

Von Marion Lisson



Kooperation soll sich auch finanziell lohnen - das meint zumindest die Ärzteorganisation Medi in Nordbaden.

Foto: do

In Nordbaden ist jetzt eine weitere Teilgemeinschaftspraxis entstanden. 17 niedergelassene Ärzte machen hier den Anfang. "Wir streben an, dass sich langfristig alle Medi-Mitglieder der Region, nämlich derzeit 105, der Teilgemeinschaftspraxis anschließen werden" kündigte Dr. Christoph Kaltenmaier, Sprecher des neuen Gesundheitsnetzes NeckarOdenwald, an. Dann nämlich sei die Teilgemeinschaftspraxis so stark, um sich in Verhandlungen mit Krankenkassen gegen Einzelverträge zu Dumpingpreisen erfolgreich behaupten zu können.

"Wir haben nun die Chance, ärztliche Leistungen auf dem freien Gesundheitsmarkt anzubieten, die nicht oder nur eingeschränkt von den gesetzlichen Kassen angeboten werden", fasst Hausarzt Kaltenmaier, der in Aglasterhausen niedergelassen ist, zusammen. Die Kollegen hätten bereits kurzfristig die Chance, sich ein zweites Standbein aufzubauen.

Patientenschulung soll Gewinn für Ärztepartner abwerfen
"Sollten wir zum Beispiel eine Patientenschulung etablieren, wie bereits angedacht (Tinnitus, Neurodermitis etc.), könnten die damit erwirtschafteten Gewinne in die Teilgemeinschaftspraxis einfließen und später an die Teilhaber ausgeschüttet werden", so Kaltenmaiers Vision für die Zukunft. Andere Aktivitäten, wie zum Beispiel erweiterte Vorsorgeleistungen, seien ebenfalls denkbar.

Allgemeinmediziner, Dermatologen, Augen- und HNO-Ärzte, Gynäkologen, Internisten und Urologen gehören der Teilgemeinschaftspraxis (TGP) im Neckar-Odenwald-Kreis, in der Nähe von Heidelberg, an. Von Akupunktur bis hin zur Raucherentwöhnung bieten die Ärzte ihre Selbstzahlerleistungen an. Magnetfeldtherapien bei Gonarthrose (10 Sitzungen für 320,11 Euro) sowie eine Lasertherapie am Auge für 300 Euro oder eine Reise-/Impfberatung plus Impfung für 41,55 Euro gehören ebenfalls zum Angebotsspektrum.

Mustervertrag bietet Partnern Rechtssicherheit bei Kooperation
Jeder Partner in der TGP erhalte nach GOÄ die Leistung honoriert, die er erbringe. Das heißt, der Erstbehandler bekomme nach GOÄ-Ziffer 1 oder 3 eventuell in Verbindung mit der Untersuchungsziffer 5 bis 7 zirka zehn bis 35 Euro. Der Zweitbehandler erhalte dann die jeweilige Leistung honoriert.

Der Ärzteverbund Medi in Stuttgart unterstützte die Kollegen in juristischen und steuerrechtlichen Fragen. Das Medi-Vertragsmuster sei mit dem Justiziar der Bezirksärztekammer Nordbaden berufs- und partnerschaftsrechtlich angepasst worden, sodass der Vertrag nun als Mustervertrag für Teilgemeinschaftspraxen gelten könne, so Kaltenmaier.

Während die Nordbadener nun ihre Teilgemeinschaftspraxis mit Leben füllen, versucht Medi derweil noch, die Ausgangsbedingungen dieser Organisationsform zu verbessern. Auf dem Deutschen Ärztetag in Ulm wollen Medi-Ärzte beispielsweise einen Antrag auf Änderung der Musterberufsordnung einbringen. Auch für die nächste Kammerversammlung laufen bereits diesbezügliche Vorbereitungen. Grund ist die geänderte Berufsordnung der Landesärztekammer Baden-Württemberg. Im Juli hatte die Vertreterversammlung der Ärztekammer in Stuttgart die Berufsordnung geändert und der Musterberufsordnung der Bundesärztekammer angepasst.

Nach dem neu gefassten Paragrafen 18, der berufliche Kooperationen regelt, ist es nunmehr verboten, dass sich der Beitrag eines Arztes in einer Teil-Berufsausübungsgemeinschaft auf das Erbringen medizinisch-technischer Leistungen auf Veranlassung der übrigen Mitglieder der Kooperationsgemeinschaft beschränkt.

Musterberufsordnung soll vorerst nicht geändert werden
"Bei der Bundesärztekammer gibt es derzeit keine Überlegungen zur Änderung der Musterberufsordnung", informiert dazu aktuell Pressesprecher Hans-Jörg Freese. Gelassenheit auch bei Baden-Württembergs Ärztekammerpräsidentin Dr. Ulrike Wahl: Man werde im Vorfeld der Versammlung noch einmal mit allen Beteiligten reden, kündigte sie an.

Durch die neuen Vorgaben der Berufsordnung werde die Kooperation mehrerer Fachgruppen behindert, kritisiert dagegen Medi. Grundsätzlich stelle die Teilgemeinschaftspraxis eine gute Möglichkeit dar, sich in Verhandlungen mit den Kassen und in Konkurrenz zu MVZ zu behaupten, fasst Kaltenmaier zusammen. Bereits jetzt hätten sich weitere Kollegen gemeldet, die bei der Teilgemeinschaftspraxis mitmachen wollen, so der Hausarzt. Interessierte Ärzte müssen bei Eintritt in die TGP einmalig 150 Euro plus Notar- und Anmeldegebühren beim Amtsgericht bezahlen.

STICHWORT
Teilgemeinschaft
Mit der Änderung der Musterberufsordnung im Jahr 2004 wurde die Kooperationsform der Teilgemeinschaftspraxis eingeführt. In ihr werden einzelne, spezifische Leistungen angeboten. Bis zum Inkrafttreten des Vertragsarztrechtsänderungsgesetzes Anfang 2007 war die Teilgemeinschaftspraxis berufsrechtlich nur für privatärztliche Leistungen zulässig. Nun kann auch vertragsärztliche Versorgung in dieser Kooperationsform stattfinden.

Freitag, 1. Februar 2008

Nürnberg Video der Hoppenthaller Rede

http://www.hausarzt.de/content/red.otx/1108,65254,0.html

Was sagen Westerwälder Ärzte zu den aktuellen Entwicklungen in Bayern nach der Veranstaltung vom 30 Jan 2008 in Nürnberg

Kooperation Westerwälder Ärztenetze e.V.
Vorsitzender Dr. med. S. Scholl
Weiherstr. 1, 56593 Horhausen, Tel.: 02687 / 2022
Fax: 02687 / 742, Email: Dr.S.Scholl@gmx.de
www.ww-aerztenetze.de


Liebe Kolleginnen und Kollegen ,
Aus aktuellem Anlass mache ich auf folgende Entwicklung aufmerksam:



Nürnberg, 30.01.2008: Bayerische Hausärzte für KV-Ausstieg: "Hier beginnt der Aufstand der Ärzte"

Mit einer Kundgebung in der Arena Nürnberg haben am Mittwoch rund 9000 bayerische Hausärzte gegen zu geringe Arzt-Honorare und "überbordende Bürokratie" demonstriert.
Aktuelle Pressemeldungen, die Sendung der Tagesthemen, die Rede von Martin Grauduszus und Photos zur Generalversammlung der bayerischen Hausärzte.
Zum Download der Photos klicken Sie bitte links im Menue unter Download Photos. > www.freie-aerzteschaft.de


Heute ist die Medienlandschaft aufmerksam geworden und hat mehrere Beiträge in Radio und Fernsehen geschaltet. Dies könnte erstmals seit 2006 eine Chance sein, genügend Druck auf die Politik und Öffentlichkeit auszuüben. Es wird wieder einmal auf den Zusammenhalt und die Geschlossenheit der Ärzteschaft ankommen.
Ich bitte alle Netzvorstände in Ihren Netzen diese Entwicklung zu diskutieren und einen Standpunkt zu entwickeln. Am 07.02.2008 findet die nächste Delegiertenversammlung der Kooperation Westerwälder Ärztenetze statt. Bis dahin sollten wir eine gemeinsame Haltung entwickeln.
Rückmeldungen und Meinungsäußerung als Antwort auf diese Email sind ausdrücklich gewünscht.


Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Dr. S. Scholl

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Kooperation Westerwälder Ärztenetze e.V.
Vorstandsvorsitzender Dr. med. S. Scholl
Weiherstr. 1, 56593 Horhausen
Tel: 0700/20001100,
Fax: 012120/68859
Email: Dr.S.Scholl@ww-aerztenetze.de
Web: www.ww-aerztenetze.de


Anmerkung MQnÄRN: Das Video der Rede vom Koll. Hoppenthaller

http://www.facharzt.de/content/red.otx/187,65254,0.html?sID=93554833b58372b9c4b42b2de79c5d5a