Mittwoch, 12. November 2008

Bremer Klinikverbund will sich auf ambulante Behandlungen stürzen

Bremer Klinikverbund will sich auf ambulante Behandlungen stürzen




Die Kliniken im Raum Bremen blasen zum Angriff auf die ambulante Versorgung – anders lässt sich der Hilferuf der Niedergelassenen vor Ort kaum zusammenfassen: Die Obleute ärztlicher Berufsverbände in der Hansestadt warnen in einer Resolution heute gemeinsam vor den Plänen des Klinikverbundes „Gesundheit Nord“. Kurzfristig hatten die vier kommunalen Krankenhäuser des Verbundes insgesamt 18 Anträge zur ambulanten Behandlung nach § 116b SGB V eingereicht. Auch die KV traf die Nachricht wie ein Schlag.




Der finanziell in Straucheln geratene Klinikverbund will sich mit dem energischen Einsatz im ambulanten Bereich wieder gesundstoßen, glauben die Vertreter der Verbände. Gestern trafen sie sich auf Anraten der KV zu einer Sondersitzung. Entgegen dem Gesetzeswortlaut des §116b, wo von „seltenen Erkrankungen und Erkrankungen mit besonderen Krankheitsverläufen“ die Rede sei, gehörten auch häufige Krankheiten wie Krebserkrankungen, Herzschwäche oder Anfallsleiden zum beantragten Spektrum. „In keinem Fall hat die ‚Gesundheit Nord’ vor der Antragsstellung mit Vertretern der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte gesprochen, um schon im Vorfeld die genaue vertragsärztliche Versorgungssituation feststellen und berücksichtigen zu können“, monieren die Niedergelassenen heute in der gemeinsamen Stellungnahme.

Im Gespräch mit dem änd bestätigte KV-Chef Dr. Till Spiro, dass der Klinikverbund auf keinem Wege versucht habe, sich mit den Niedergelassenen abzustimmen. Im Gegenteil würden der KV noch Knüppel zwischen die Beine geworfen: „Am 26. November wird in dem entsprechenden Ausschuss über die Anträge entschieden. Wir haben da zwar kein Stimm- aber ein Anhörungsrecht. Mit einem Juristen an der Seite wollten wir den Termin wahrnehmen – es wurde uns aber schlichtweg untersagt, uns dort von einem Rechtsbeistand beraten zu lassen“, berichtete Spiro.

Der KV-Chef will am 26. November trotzdem mit einem Anwalt an der Seite auflaufen. „Wir wollen doch erst einmal sehen, ob uns da die Tür gewiesen wird.“ Das Verhalten der Verantwortlichen und des Klinikverbundes sei absolut nicht nachvollziehbar. „Wir haben ja nicht aus Prinzip etwas gegen Verträge nach § 116b – da kann man sich ja auch friedlich abstimmen.“ Der Klinikverbund habe die Anträge jedoch kurzfristig und überraschend vorgelegt. „Wir müssen uns jetzt schnell durch die nicht einfach juristisch Materie arbeiten“, sagte der KV-Vorsitzende.

Interessant ist nach Meinung der Obleute der Berufsverbände darüber hinaus, dass der Krankenhausplanungsausschuss bei einer zuständigen Senatorin angesiedelt ist, die gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzende der „Gesundheit Nord“ sei. Zu diesem und weiteren Vorwürfen wollte der Klinikverbund heute – auch auf Anfrage der Redaktion – noch keine Stellung nehmen. Nach Aussagen des KV-Vorsitzenden Spiro hat der Geschäftsführer Dr. Diethelm Hansen nun jedoch eilig eine Informationsveranstaltung für die Ärzte vor Ort angesetzt. Grund zur Skepsis hätten die Besucher dort allemal: „Herr Hansen hat offen erklärt, dass das erst der Anfang ist – und er prinzipiell auch eine überflüssige zweite Facharztschiene in Deutschland sieht.“

Erst gestern hatte der Bremer Senat angekündigt, dass er den vier kommunalen Krankenhäusern des Verbundes 70 Millionen Euro Schulden erlassen will. Die Sanierung der vier Kliniken sei auf einem guten Weg, hieß es in einer Presseerklärung dazu.


Der änd wird weiter über das Thema berichten.



Die gestern verfasste Resolution der Obleute dokumentieren wir im Folgenden:


Angesichts der wirtschaftlichen Bedrohung durch die gestellten und weiteren zu erwartenden Anträge sowie der ausgezeichneten vertragsärztlichen Versorgungssituation fordern die Obleute der Bremer Berufsverbände:

- Keine Sanierung der Bremer Krankenhäuser auf Kosten der Bremer Arztpraxen:
Ambulante Patientenversorgung ist die Domäne der Vertragsärztinnen und -ärzte
sowie Vertragspsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten.
- Keine Antragsstellungen gemäß § 116 b vor einvernehmlicher Abstimmung mit der
KVHB als Interessenvertreterin der jeweils betroffenen vertragsärztlichen Berufs-
gruppen.
- Keine Bevorzugung der Krankenhäuser gegenüber Vertragsärzten hinsichtlich
staatlicher Investitionen und fehlender Wirtschaftlichkeitsprüfungen.
- Vermeidung von Interessenkonflikten in Folge der senatorischen Doppelfunktion
durch transparente Entscheidungsprozesse.
- Anerkennung des Rechts der als Gast in den Krankenhausplanungsausschuss
geladenen KVHB auf Hinzuziehung eines Rechtsbeistands ihrer Wahl.

Politik und Geschäftsführung der „Gesundheit Nord“ sind aufgerufen, ihren Konfrontationskurs gegenüber Bremens Vertragsärzten und -psychotherapeuten zu beenden. Im Interesse der Patientinnen und Patienten unseres Bundeslandes dürfen die Bagger der „Gesundheit Nord“ nicht die lange Tradition eines konstruktiven Dialogs zwischen allen Beteiligten zerstören.

12.11.2008 17:48
Bremer Klinikverbund will sich auf ambulante Behandlungen stürzen
Redaktionelle Meldung zu diesem Diskussionsfaden


Angebaggert?

Demnächst dann ein Bericht "Mein erstes Mal ..." ... rührend!!

Politik und Geschäftsführung der „Gesundheit Nord“ sind aufgerufen, ihren Konfrontationskurs gegenüber Bremens Vertragsärzten und -psychotherapeuten zu beenden. Im Interesse der Patientinnen und Patienten unseres Bundeslandes dürfen die Bagger der „Gesundheit Nord“ nicht die lange Tradition eines konstruktiven Dialogs zwischen allen Beteiligten zerstören.

als ich das erste Mal mit vielen anderen zusammen streikte ...

http://www.arztwiki.de/wiki/Streik

MfG
W.B.

FA für Orthopädie/ EX-Mitglied BVO
Freie Ärzteschaft (von Anfang an)
http://www.freie-aerzteschaft.de
SYSTEMAUSSTIEG jetzt!

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